Karlsruhe reagiert auf die wachsende Bedrohung durch invasive Ameisenarten. Zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nahmen an einer Informationsveranstaltung teil, die sich mit dem Vordringen der Art Tapinoma magnum beschäftigte. Ziel war es, Maßnahmen zur Eindämmung und Prävention zu diskutieren. Die Stadt hat bereits erste Schritte eingeleitet.
Inhaltsverzeichnis:
- Maßnahmen in Karlsruhe und Zusammenarbeit mit Kehl
- Manfred Verhaagh warnt vor Einschleppung
- Sorgen der Bürger nehmen zu
- Tapinoma magnum ist nicht die einzige Gefahr
- Nächste Schritte und Handlungsempfehlungen
Maßnahmen in Karlsruhe und Zusammenarbeit mit Kehl
Die Stadt Karlsruhe hat eine spezielle Internetseite eingerichtet, auf der betroffene Bürger erste Hinweise und Hilfestellungen finden. Zusätzlich wurde eine E-Mail-Adresse freigeschaltet, unter der Hinweise und Fragen gesammelt werden:
Karen Eßrich, die eng mit der Stadt Kehl zusammenarbeitet, berichtet von dortigen Erfahrungen. In Kehl wurden zwei Vollzeitstellen zur Bekämpfung der Ameisenplage geschaffen, um dem Problem dauerhaft zu begegnen. Die Karlsruher Verwaltung orientiert sich nun an diesem Modell, steht aber noch am Anfang.
Manfred Verhaagh warnt vor Einschleppung
Manfred Verhaagh, Ameisenexperte vom Naturkundemuseum Karlsruhe, machte deutlich, dass die Bekämpfung von Tapinoma magnum schwierig und teuer sei. Die Tiere gelangen oft über fremdländische Pflanzen in die Stadt. Aus diesem Grund warnt er eindringlich vor dem Kauf solcher Pflanzen. Wichtig sei zudem, Futterquellen zu beseitigen und heißes Wasser gezielt zur Bekämpfung einzusetzen.
Die Stadtverantwortlichen stehen jedoch vor einem strukturellen Problem. Viele Kommunen verfügen nicht über ausreichend finanzielle Mittel, um eine koordinierte und langfristige Strategie umzusetzen. Daher spielt die Prävention eine zentrale Rolle, besonders im privaten Bereich.
Sorgen der Bürger nehmen zu
Thomas Jahn, Hausverwalter eines Jugendstilgebäudes an der Durlacher Allee, schilderte die Ausbreitung der Ameisen bis in das dritte Obergeschoss. Für ihn ist klar, dass dringend gehandelt werden muss. Die Tiere gefährden nicht nur die Gebäudesubstanz, sondern auch die Lebensqualität.
Auch Ottmar Huber aus der Südstadt zeigt sich besorgt. Obwohl in seiner Wohnung noch keine Ameisen aufgetreten sind, fürchtet er eine baldige Ausbreitung. Die Unsicherheit unter den Bürgern ist groß. Viele wünschen sich schnell wirksame Lösungen, vor allem durch städtische Koordination und wissenschaftliche Beratung.
Tapinoma magnum ist nicht die einzige Gefahr
Die ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammende Art Tapinoma magnum verbreitet sich rasant im Südwesten Deutschlands. Bereits in Kehl verursachten Kolonien dieser Art Strom- und Internetausfälle. Ihre Struktur mit mehreren Königinnen und tausenden Arbeiterinnen macht eine vollständige Bekämpfung extrem schwierig.
Ein neuer Fund in Karlsruhe-Knielingen zeigt, dass noch eine weitere invasive Ameisenart aktiv ist. Details zur Art wurden bisher nicht veröffentlicht, doch der Fund bestätigt die Ausweitung des Problems auf mehrere Stadtteile. Die Bedrohung ist also nicht auf eine einzige Art begrenzt.
Nächste Schritte und Handlungsempfehlungen
Die Stadt Karlsruhe plant:
- Veröffentlichung des Flyers mit konkreten Handlungsanweisungen
- Erweiterung der digitalen Informationsplattform
- Prüfung auf Einrichtung einer städtischen Taskforce
Experten empfehlen private Maßnahmen wie:
- keine fremdländischen Pflanzen kaufen
- keine offenen Futterstellen in Gärten und auf Balkonen
- regelmäßige Kontrolle gefährdeter Stellen
- Anwendung von heißem Wasser an bekannten Befallsorten
Die Bekämpfung bleibt eine langfristige Herausforderung. Nur durch Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Forschung und Bürgern kann eine Ausbreitung gestoppt werden.
Quelle: SWR