Gemeinsam Fußball spielen und Sorgen vergessen
Gemeinsam Fußball spielen und Sorgen vergessen, Pixabay/Foto illustrativ

Ein besonderes Fußballturnier hat in Karlsruhe zahlreiche Menschen auf den Platz geführt. Beim sogenannten WOLO-Cup treten Wohnungssuchende, Wohnungslose und Mitarbeiter sozialer Einrichtungen gegeneinander an. Das Event bietet nicht nur sportliche Abwechslung, sondern stärkt auch den Zusammenhalt und die Zusammenarbeit im Bereich der Wohnungslosenhilfe.

Inhaltsverzeichnis:

Susanne Pastor und zwölf Mannschaften

Auf dem Trainingsgelände des KSC war an diesem Mittwochmorgen nicht die Profimannschaft zu sehen. Stattdessen spielten zwölf Teams aus dem Bereich der Wohnungslosenhilfe. Noch im Vorjahr waren es nur sechs oder sieben Mannschaften. Darauf wies Susanne Pastor vom Verein Sozialpädagogische Alternativen (SOZPÄDAL) hin.

Für Pastor und ihre Kollegen hat das Turnier mehrere Funktionen. Es ermöglicht Begegnungen zwischen Mitarbeitern der Hilfsorganisationen und Klienten. Außerdem dient es als Plattform, um sich in lockerer Atmosphäre mit anderen Akteuren wie der Diakonie, dem Verein für Jugendhilfe Karlsruhe oder der städtischen Sozial- und Jugendbehörde auszutauschen.

  • 12 teilnehmende Teams
  • Organisation durch mehrere Träger wie Diakonie und AWO Karlsruhe
  • Teilnahme von Betreuern, Wohnungslosen und Wohnungssuchenden

Yasin Ünsal in der Notunterkunft

Unter den Spielern war auch der 31-jährige Yasin Ünsal. Er lebt aktuell mit vier weiteren Personen in einer Notunterkunft der Diakonie Karlsruhe. Ohne diese Unterkunft müsste er auf der Straße oder in Notfallprogrammen wie dem Erfrierungsschutz übernachten.

Eine eigene Wohnung ist für ihn derzeit nicht erreichbar. Hindernisse wie Kaution, Schufa-Auskunft oder Kontoauszüge machen eine schnelle Wohnungssuche unmöglich. Er berichtet, dass es in Karlsruhe zunehmend schwieriger sei, Wohnraum zu finden.

Nach seiner Beobachtung hat sich das Stadtbild verändert. „Vor zehn Jahren war das nicht so heftig“, beschreibt er die wachsende Zahl von Menschen ohne festen Wohnsitz.

Frank Vischer und die Wohnraumsituation

Verantwortlich für die Organisation des Turniers war in diesem Jahr Frank Vischer von der AWO Karlsruhe. Als Sachgebietsleiter für Wohnen und Betreuung kennt er die Problematik. Die Zahl der Sozialwohnungen geht zurück, gleichzeitig verlieren viele Menschen ihre Wohnung durch psychische Erkrankungen oder Suchtprobleme.

Laut Vischer haben Betroffene bei Vermietern deutlich geringere Chancen. Vermieter bevorzugen Studierende oder berufstätige Mieter, während Menschen mit Sozialhilfe oft ausgeschlossen bleiben.

  1. Immer weniger verfügbare Sozialwohnungen
  2. Viele Wohnungsverluste durch Krankheit oder Sucht
  3. Geringere Chancen für Sozialhilfeempfänger bei der Wohnungssuche

David Ostern und die wachsende Nachfrage

Auch David Ostern von der Diakonie Karlsruhe beschreibt die Lage als zunehmend angespannt. Die Beratungszahlen steigen, immer mehr Menschen nehmen Hilfsangebote in Anspruch. Gründe dafür sind die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich und die steigenden Mieten.

Zusätzlich gibt es Sorgen wegen geplanter Einsparungen im sozialen Bereich. Diese könnten langfristig auch die Wohnungslosenhilfe treffen. Ostern warnt, dass über Jahrzehnte aufgebaute Strukturen dadurch geschwächt oder sogar zurückgebaut werden könnten.

Freude auf dem Spielfeld

Trotz aller Schwierigkeiten stand beim WOLO-Cup der Spaß im Vordergrund. Neben erfahrenen Teilnehmern wie Ünsal war auch Sarah dabei. Sie nahm zum ersten Mal teil. Die junge Frau hat selbst in einer Einrichtung gelebt und wird derzeit ambulant durch Teilhabe 2.0 betreut.

Für sie war das Turnier ein positives Erlebnis. Sie betonte, dass es nicht um Können geht, sondern um Gemeinschaft und Freude. Damit zeigte sich, dass Sport ein verbindendes Element ist, das auch in schwierigen Lebenssituationen Hoffnung und Entlastung schaffen kann.

Quelle: SWR