Die Stadt Karlsruhe muss in den kommenden zwei Jahren mindestens 160 Millionen Euro einsparen. Auf der vorläufigen Streichliste steht auch das traditionsreiche Rheinstrandbad Rappenwört. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist diese Entscheidung kaum vorstellbar, da das Bad seit Jahrzehnten ein fester Bestandteil des Karlsruher Lebens ist.
Inhaltsverzeichnis:
- Rheinstrandbad Rappenwört am Rheinufer
- Oliver Sternagel gegen Schließungspläne
- Oberbürgermeister Frank Mentrup fordert Einsparungen
- Bürgerinitiative mit Petition und Ideen
- Gesellschaftliche Beteiligung notwendig
- Wichtige Fakten in Kürze
Rheinstrandbad Rappenwört am Rheinufer
Das Rheinstrandbad Rappenwört zählt zu den schönsten Freibädern in Deutschland. Es liegt direkt am Rhein, eingebettet in Wald und Natur, mit Straßenbahnanschluss. Besucher genießen hier Wellenbecken, Wasserrutschbahn und große Liegewiesen. Familien, Jugendliche und ältere Stammgäste nutzen das Bad regelmäßig. Viele Karlsruher verbinden mit diesem Ort persönliche Erinnerungen.
Besucher betonen, dass das Freibad ein Treffpunkt für alle Altersgruppen ist. Manche sehen es als zweite Heimat, da sie seit Jahrzehnten regelmäßig herkommen. Für viele wäre die drohende Schließung ein schwerer Verlust.
Oliver Sternagel gegen Schließungspläne
Der Karlsruher Bäderchef Oliver Sternagel steht im Mittelpunkt der Diskussion. Er kritisiert die Sparpolitik der Stadtverwaltung scharf. Die Karlsruher Bäderbetriebe wurden beauftragt, 900.000 Euro einzusparen. Genau diese Summe kostet jährlich das Personal im Rheinstrandbad. Daher soll das Bad für zwei Jahre geschlossen werden.
Sternagel warnt, dass dies keine nachhaltige Lösung sei. Selbst im Falle einer Schließung würden mehrere hunderttausend Euro für Instandhaltung fällig. Zudem erfülle das Freibad eine wichtige soziale Funktion. Er verweist auf das überregionale Einzugsgebiet und betont die Bedeutung für die Gemeinschaft.
Oberbürgermeister Frank Mentrup fordert Einsparungen
Oberbürgermeister Frank Mentrup (SPD) macht auf die dramatische Finanzlage aufmerksam. Im laufenden Jahr hat sich das Defizit noch einmal verschärft. Es droht ein neues Finanzloch von bis zu 25 Millionen Euro. Deshalb müssen alle Bereiche der Stadt ihren Beitrag leisten.
Das Rheinstrandbad sei besonders personalintensiv und teuer. Zusätzlich stehe in den kommenden Jahren eine Sanierung an. Sollte es geöffnet bleiben, müsste an anderer Stelle gespart werden. Insgesamt umfasst die Streichliste der Stadt über 400 Positionen. Wenn die Einsparungen nicht gelingen, greift das Regierungspräsidium als Kontrollinstanz ein.
Bürgerinitiative mit Petition und Ideen
Die Karlsruher Bevölkerung reagiert entschlossen. Eine Online-Petition zur Rettung des Bads hat bereits mehr als 12.600 Unterschriften gesammelt. Die Initiatorin Daniela Christ plant die Gründung eines Fördervereins. Mitglieder sollen unter anderem ehrenamtlich am Beckenrand unterstützen.
Auch Sternagel bringt konkrete Vorschläge ein. Mit einer moderaten Erhöhung der Eintrittspreise in allen Karlsruher Bädern um 1 bis 2 Euro pro Person könnten die 900.000 Euro erreicht werden. Er spricht von einem „Bäder-Soli“. So ließe sich die Schließung vermeiden.
Gesellschaftliche Beteiligung notwendig
Mentrup verweist auf eine breitere Verantwortung. Künftig sollen besser verdienende Bürgerinnen und Bürger stärker an Infrastrukturkosten beteiligt werden. Dies betreffe nicht nur die Bäder, sondern auch Kitas und kulturelle Einrichtungen.
Die endgültige Entscheidung fällt kurz vor Weihnachten im Gemeinderat. Ob das Rheinstrandbad Rappenwört tatsächlich schließen muss, bleibt offen. Klar ist jedoch, dass es ohne zusätzliches Engagement aus der Bevölkerung keine dauerhafte Lösung geben wird.
Wichtige Fakten in Kürze
- Einsparziel der Stadt Karlsruhe: mindestens 160 Millionen Euro in zwei Jahren.
- Betroffen: über 400 Positionen, darunter das Rheinstrandbad Rappenwört.
- Geforderte Summe der Bäderbetriebe: 900.000 Euro jährlich.
- Online-Petition: mehr als 12.600 Unterschriften.
- Entscheidung des Gemeinderats: kurz vor Weihnachten.
Das Rheinstrandbad Rappenwört steht im Zentrum eines Konflikts zwischen Sparzwang der Stadt und dem Erhalt eines traditionsreichen Ortes für die Karlsruher Bevölkerung.
Quelle: SWR, YouTube