Pilzexperten prüfen Funde im Naturkundemuseum Karlsruhe
Pilzexperten prüfen Funde im Naturkundemuseum Karlsruhe, Foto: pixabay

In Karlsruhe helfen erfahrene Pilzkenner jede Woche dabei, essbare Pilze von gefährlichen Doppelgängern zu unterscheiden. Die Beratung findet regelmäßig im Naturkundemuseum statt und hat eine lange Tradition in der Region. Für Sammler ist dies eine wichtige Anlaufstelle, um Vergiftungen zu vermeiden.

Inhaltsverzeichnis:

Pilzberatung im Naturkundemuseum Karlsruhe

Die Karlsruher Pilzgruppe ist Teil des Naturwissenschaftlichen Vereins des Naturkundemuseums. Seit 2003 bieten die Mitglieder jeden Montag zwischen 17 und 19 Uhr eine öffentliche Pilzberatung an. Diese läuft bis November und richtet sich an alle, die Pilze sammeln oder bestimmen möchten.

Markus Scholler, Mykologe und Initiator des Angebots, erinnert daran, dass es in Karlsruhe schon in den Zeiten der Weltkriege und Hungersnöte Pilzberatungen gab. Die Wiederaufnahme 2003 stieß auf große Nachfrage. Besonders in der Pilzsaison ist der Andrang hoch.

Zu den wichtigsten Bestimmungsmerkmalen zählen Färbung, Duft, Lamellen, Knollen, Sporen und Standort. Die Experten empfehlen, sich nicht ausschließlich auf Bestimmungs-Apps oder Internetbilder zu verlassen. Diese können zwar unterstützen, ersetzen jedoch nicht die Erfahrung und den Einsatz aller Sinne.

Parasol und seine giftigen Doppelgänger

Der Parasol gehört zu den beliebtesten Speisepilzen. Sein giftiger Doppelgänger, der Garten-Schirmling, kann schwere Vergiftungen verursachen. Ein echtes Erkennungsmerkmal des Parasols ist der verschiebbare Ring am Stil, den der Garten-Schirmling nicht hat. Außerdem besitzen Parasole ein charakteristisches Zick-Zack-Muster am Stil sowie ein schuppiges Muster auf dem Hut.

Ein Blick unter den Hut zeigt: Die Lamellen sollten den Stil nicht erreichen. Wer diese Details kennt, kann das Risiko einer Verwechslung deutlich senken.

Champignon und Knollenblätterpilz

Der Wiesen-Champignon ist essbar, der Knollenblätterpilz dagegen tödlich giftig. Diese Verwechslung zählt zu den gefährlichsten beim Pilzesammeln. Der Knollenblätterpilz ist unter dem Hut weiß und besitzt an der Basis eine häutige Knolle. Junge Champignons haben dagegen leicht rosa Lamellen, später werden diese schokoladenbraun bis schwarz.

Ein weiteres Merkmal ist der Geruch: Gift-Champignons riechen nach Tinte und verfärben sich beim Durchschneiden gelb. Doch Vorsicht – auch der essbare Riesen-Champignon kann sich gelb färben. Deshalb sollten immer mehrere Merkmale geprüft werden.

Pfifferling und Ölbaumtrichterling

Pfifferlinge sind ein Klassiker in der Küche. Der giftige Ölbaumtrichterling und der Orangenfuchsige Raukopf sehen jedoch ähnlich aus. Pfifferlinge wachsen trichterförmig auf dem Erdboden, Ölbaumtrichterlinge dagegen oft büschelig auf lebendem oder totem Holz.

Der Orangenfuchsige Raukopf wächst ebenfalls am Boden, hat jedoch keinen trichterförmigen Hut. Falsche Zuordnungen können hier ernste gesundheitliche Folgen haben.

Perlpilz und Pantherpilz

Der Perlpilz ist essbar, der Pantherpilz hochgiftig. Das sicherste Unterscheidungsmerkmal ist die Knolle. Pantherpilze besitzen eine doppeltgerandete Knolle, Perlpilze dagegen eine ungerandete. Beim Einschneiden färbt sich die Knolle des Perlpilzes rötlich, die des Pantherpilzes bleibt weiß.

Man kann den Grünen Knollenblätterpilz mit einem essbaren Pilz verwechseln
Man kann den Grünen Knollenblätterpilz mit einem essbaren Pilz verwechseln, Foto: pixabay

Die Manschette des Perlpilzes ist fein gerippt, was jedoch oft nur mit einer Lupe erkennbar ist. Experten raten, den gesamten Pilz mitsamt Knolle zu entnehmen und bei Unsicherheit zur Beratung zu bringen.

Häufige gefährliche Verwechslungen im Überblick

  1. Parasol – Gift-Schirmling, Garten-Schirmling
  2. Wiesen-Champignon – Knollenblätterpilz, Karbol-Champignon
  3. Pfifferling – Ölbaumtrichterling, Orangenfuchsiger Raukopf
  4. Perlpilz – Pantherpilz

90 Prozent aller Pilzvergiftungen entstehen durch den Verzehr überalterter, eigentlich essbarer Pilze. Diese können eine Eiweißvergiftung verursachen, ähnlich wie verdorbener Fisch. Deshalb gilt: Pilze immer frisch verarbeiten und bei Unsicherheit Experten aufsuchen.

Quelle: SWR