Die aktuelle Rote Liste der Wildbienen in Baden-Württemberg zeigt einen dramatischen Rückgang vieler Arten. Über 250 von rund 500 bekannten Wildbienen-Arten sind gefährdet. Die aktualisierten Daten stammen von der Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) in Karlsruhe. Die letzte vollständige Bestandsaufnahme dieser Art stammt aus dem Jahr 2000. Jetzt zeigen neue Erhebungen, wie schnell sich der Zustand der Populationen verschlechtert hat.
Inhaltsverzeichnis:
- Rote Liste der LUBW zeigt drastischen Anstieg gefährdeter Arten
- Lebensraumverlust und Klimawandel als Hauptursachen
- Schutzmaßnahmen zeigen erste Erfolge
- Erhalt der Artenvielfalt bleibt zentrale Aufgabe
Rote Liste der LUBW zeigt drastischen Anstieg gefährdeter Arten
Seit der letzten Veröffentlichung der Roten Liste hat sich der Anteil der vom Aussterben bedrohten Arten fast verdoppelt. Bereits damals galt ein hoher Prozentsatz als gefährdet, doch die neuesten Zahlen markieren einen historischen Tiefpunkt. Laut Ulrich Maurer, Präsident der LUBW, ist diese Entwicklung alarmierend.
Besonders betroffen sind spezialisierte Arten. Ein Drittel der Wildbienen in Baden-Württemberg ist auf Pollen einzelner Pflanzenarten angewiesen. Diese enge Symbiose macht sie besonders empfindlich gegenüber Veränderungen im Lebensraum. Durch den Verlust geeigneter Pflanzen und Nistplätze verschärft sich ihre Lage weiter.
Lebensraumverlust und Klimawandel als Hauptursachen
Die Ursachen für den Rückgang sind vielfältig: Versiegelte Flächen, Pestizide und Überdüngung reduzieren den Lebensraum und das Nahrungsangebot. Viele Bienenarten benötigen unberührte Böden, Totholz oder bestimmte Blühpflanzen. Wenn diese verschwinden, fehlt die Lebensgrundlage.
Auch der Klimawandel wirkt sich negativ aus. Zunehmend extreme Wetterereignisse – etwa Starkregen oder Dürre – zerstören Nester bodenbrütender Arten. Gleichzeitig verwelken wichtige Blütenpflanzen früher, wodurch Nahrung knapp wird. Ulrich Maurer warnt, dass diese Kombination von Belastungen für viele Arten existenzbedrohend ist.
Schutzmaßnahmen zeigen erste Erfolge
Trotz der ernsten Lage gibt es auch positive Entwicklungen. Seit 1993 existiert in Baden-Württemberg ein gezieltes Artenschutzprogramm für Wildbienen. Dieses ermöglicht die Erhaltung seltener Arten, darunter die Mohnbiene. Auch Arten, die als ausgestorben galten, tauchen wieder auf. Ein Beispiel ist die kleine Holzbiene, die nach mehr als 50 Jahren erneut nachgewiesen wurde.
Solche Rückkehrer zeigen, dass Schutzmaßnahmen wirksam sein können – wenn sie flächendeckend und konsequent umgesetzt werden. Fachleute fordern deshalb ein breiteres Engagement auf Landes- und Kommunalebene.
Erhalt der Artenvielfalt bleibt zentrale Aufgabe
Wildbienen bestäuben Pflanzen, sichern die Fortpflanzung zahlreicher Arten und sind somit unersetzlich für das Ökosystem. Ihr Schutz ist eng mit dem Schutz vieler weiterer Tier- und Pflanzenarten verbunden. Die Daten der neuen Roten Liste unterstreichen, wie dringlich ein Umdenken in der Landnutzung und im Umgang mit natürlichen Ressourcen ist.
Nur durch langfristig angelegte Maßnahmen und gezielte Förderung geeigneter Lebensräume kann der Bestand stabilisiert und die Vielfalt erhalten werden.
Quelle: SWR